Ressort Kundalini

 

Lebensbaum

© copyright Kali, 2001

 

Lebensbaum
Autorin unbekannt

Im Garten der Göttin
wandelt er,
der die Geheimnisse
der Götter hütet.
Eine himmlische Tafel
gab sie ihm,
die strahlend macht,
die Stumpfheit
des Fleisches überwindet.

Die Pflanze der Geburt
ist allen gegeben.
Die Pflanze der Leidenschaft
nur den wenigen.
In sieben mal sieben Tagen
von der Erde zum
strahlenden Glanz
des Himmels
erhebt sie sich
für den,
der die heiligen
Gesetze kennt.

Sieben Gesetze
kennt der Lebensbaum,
sieben Stufen zur Freude,
zur Leidenschaft,
zum Planen und Streben.
Zu Füssen des Baumes
Meister und Geliebte zugleich.

Zwei Schlangen
umwinden den Baum.
Mach zur Dienerin dir
die mondgekrönte
und die Rätsel
der Erde.
In die Tiefe lass dich führen!

Sonnengekrönt
grüßt der zweite
Schlangengott.
Seine Weisheit
verbindet Höhe und Tiefe
und öffnet das Haus
des Lernens.

Sind die Baumgötter
in Eintracht,
erheben sich
die bunten Falter
in den Himmel.
Sind Mond und Sonne
in Zwietracht,
fallen nur Larven
vom Baum.
Geheime Dinge sieht,
der sie zusammenhält.
Darum wechsle die Kräfte
und gib dich dem
Kuss der Schlangen hin.

Der Mittelpunkt
des Baumes,
das Herz des
Heiligen Ortes.
Seine Lichter und Schatten
fallen mächtig über den Baum.
Im Traum sah ich dort
Mann und Frau
im strahlenden Licht
des Juwels.

Im Baum leben
Götter und Dämonen,
Leben und Tod.
Möge das Licht
der Freude gefallen
und Leidenschaft sie vereinen.
Die Fürsten des Baumes
entrinnen dem Reich des Todes.

Große Weisheit
gibt er ihnen.
Früchte, die in einem
Gott gereift sind.
Einen Ort zu ihrer Freude.
Die die sieben Stufen
des Baumes kennen,
sind die mächtigen der Zeiten.


 


 
Das Gedicht hat mich sehr berührt, ich finde mich darin wieder.  Vor vier Wochen hätte ich es gar nicht verstanden und mich gefragt, was das soll. Hätte es zwar ganz schön gefunden, aber zur Seite gelegt.  

Jetzt sieht das anders aus. Mittlerweile habe ich so viele schöne Dinge erlebt und erfahren, dass sich mein Weltbild sehr verändert hat, es fließt sozusagen, *ich fließe*.   

Bin wie Wasser, das aus einer Quelle hervor gesprudelt ist, das sich in einem Bergbach anpasst. Wenn ein Stein oder Fels im Weg ist, dann sucht es sich einen neuen Weg, auf dem es weiter kommt. Das Wasser bleibt, der Weg ändert sich, kommt aus der geraden Spur und macht neue Erfahrungen, hüpft über kleinere Steine hinweg, umfließt größere Felsenstücke, wird mal wild, wenn das Bachbett steiler wird, staut sich, wenn ein Hindernis im Weg ist, bis es sich durch eigene Kraft seinen Weg bahnt. Irgendwann ist es zu einem großen Fluß geworden, der durch schöne grüne Täler fließt, an schroffen Felswänden entlang, gewaltig an Kraft gewonnen hat, trotz der Ruhe, die der Fluß ausströmt. Dieser Fluß kann Leben spenden, und zerstören in seiner Kraft, aber keiner kann ihn aufhalten. Versuchen wir einen Fluß zu beherrschen, dann werden wir feststellen, dass es sich irgendwann rächt.  

Ich lasse meinen Fluß jetzt fließen, genieße es alle Eindrücke in mir aufzunehmen, die am Bach- und Flußufer an mir vorbeiziehen, in mich eindringen, meinen Lauf beeinflussen, genieße das Lernen mit dem Lauf des Flusses. Alles ist ein Kreislauf, irgendwann werde ich wieder aus einer Quelle hervorkommen und neue Eindrücke sammeln können, lernen können, ich werde als Wolke am Himmel enden, angestrahlt und gewärmt von der Sonne, werde selbst strahlen, mich im Kosmos verlieren, als ein kleines Teilchen unter vielen, die alle eins sind .

Was hat das mit dem Gedicht zu tun? Sehr viel!! Es ist die Bewußtwerdung der Zusammenhänge, für das Wachstum des Lebensbaumes, für die Geheimnisse, die wir erfahren können, für die Wunder, die wir erleben dürfen, für die Kräfte unseres Körpers und unseres Geistes, - wenn wir uns öffnen -  die man nicht erklären kann, sondern erfahren muss, erleiden muss, genießen muss, akzeptieren muss, zulassen muss, annehmen muss, lieben muss! Und dann *muss* man nichts mehr, man IST es, es gibt kein *muss* mehr. Dann löse ich mich auf in ALLEM - bin ALLES.  

Auf dem Weg dahin, begleitet mich Vayu, der es oft genug schwer hat mit mir ;-))).
Danke für deine Geduld, deinen Humor und deine liebevolle Unterstützung!
Danke auch an meinen "Asiaten", der dir in gewisser Weise sehr ähnlich ist :-)).