Index Astralwandern

Ein Besuch

© copyright: Alwa, 1999



 
 

Nun, die besten Zeitpunkte für außerkörperliche Erlebnisse scheinen der mittlere bis späte Nachmittag (je nach Jahreszeit) und der Morgen kurz vor dem endgültigen Aufwachen - wenn man sich im Halbdämmerschlaf befindet - zu sein. Zumindest nach meinen eigenen Erfahrungen. Ich bin mir einigermaßen sicher, daß die meisten meiner "Traum"-Erlebnisse auf die eine oder andere Art und Weise OBEs sind, auch wenn sie in den häufigsten Fällen auf einer von mir kreierten und sich nicht in der "realen" physischen Umgebung befindenden Ebene stattfinden. An einige dieser Ereignisse erinnere ich mich gesondert, da sie von geradezu unglaublicher Intensität waren.

Die Qualitäten dieser Erlebnisse sind je nach Tageszeit unterschiedlich. Während die Träume kurz vor dem Aufwachen zumeist "prophetischen" Charakter besitzen, mir also ein (mitunter kurz) bevorstehendes Ereignis mit zum Teil frappierenden Einzelheiten aufzeigen, sind die reinen OBEs zumeist bei mir nur am Nachmittag möglich.

Ein Besuch
An den genauen Zeitpunkt dieser Begebenheit kann ich mich nicht mehr erinnern; es muß vor etwa sieben oder acht Jahren gewesen sein, der Jahreszeit entsinne ich mich auch nicht mehr. Eine unglaubliche Müdigkeit zwang mich dazu, mich am mittleren Nachmittag ins Bett schlafen zu legen. Ich muß schon geraume Zeit schlafend verbracht haben, als ich plötzlich irgendwie munter wurde. Es war ein eigenartiges Gefühl des Erwachens, auch als ich mich aufrichtete, fühlte ich mich irgendwie leicht und nicht so schlaftrunken wie sonst. Als ich schließlich an mir hinunter blickte, bemerkte ich, daß ich in meiner nicht-physischen Gestalt (sie war erstaunlich verdichtet, aber doch etwas durchsichtiger) im Schneidersitz - also mit untergeschlagenen Beinen - im Bauchbereich meines physischen Körpers saß. Es war aber, wie ich mich vergewisserte, mein reales Zimmer. Vielleicht wäre meine verdichtete Gestalt sogar sichtbar gewesen. Auf einmal spürte ich, daß sich noch jemand im Raum befand. Ich sah mich um und bemerkte ein kleine Gestalt etwas geduckt bei einem Regal stehen. Ich erkannte die Person. Es war die Exfrau eines Bekannten, die ich jedoch zuvor nur einmal ganz kurz gesehen hatte. Noch bevor ich sie in richtiger Gestalt - wenn auch klein - sehen konnte, verspürte ich nur ihre prinzipielle Anwesenheit und die Gestalt war eher ein winziger grauer Haufen. Nun, wie soll man diese Perspektive am besten beschreiben, man stelle es sich so vor, als würde man aus den Augenwinkeln seiner Psyche heraus etwas beobachten. Die Gestalt - kaum sechzig Zentimeter groß, wenn auch schon als menschlich erkennbar, wirkte doch noch immer seltsam fern - obwohl sie sich keine zwei Meter von mir entfernt befand. Sie fing an, mir von ihren Problemen zu erzählen und ich hörte ihr aufmerksam zu. Warum sie ausgerechnet zu mir kam weiß ich bis heute nicht. Aber mit jedem Satz, den sie mehr erzählte, schien sie erleichterter und ihre Gestalt wuchs allmählich, nahm an Größe, Dichte, Plastizität und Leuchtkraft zu. Zu voller Gestalt verdichtet und merklich erleichtert darüber, einen Zuhörer gefunden zu haben, verließ sie mich so schnell wie sie gekommen war. Ich kann mich nicht erinnern, während ihres Erzählens viel geredet oder kommentiert zu haben. Jedenfalls sank ich danach in meinen Körper zurück und schlief weiter. 

Warum war die Gestalt erst unscheinbar, wirkte plan und weit entfernt und verdichtete sich erst nach und nach? Eine Erklärung wäre, sie könnte nicht von Anfang an in ihrer Gesamtheit anwesend gewesen sein sondern erst nach und nach Teile ihres Bewußtseins hergezogen haben bis sie vollständig an diesem Punkt zugegen war (und somit vollständig verdichtet wirkte). Mir jedoch erschien es damals eher so zu sein, als würden sie die Lasten ihrer Sorgen so zusammendrücken, daß sie klein und grau erschien. Erst als sie eine Last nach der anderen losließ, konnte sie sich zu voller Größe und Intensität aufrichten.