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Was sind die Mahavidyas? Maha = groß
Die Mahavidyas sind 10 Erscheinungsformen von Kali bzw. Durga, in welchen den Tantrikern die Geheimnisse und Grundprinzipien der Schöpfung kund gegeben werden.
Der Reihenfolge nach sind es:: 1) Kali, Herrin über Zeit und Schöpfung 2) Tara, Göttin der Hingabe in All-Liebe 3) Shodashi, die liebliche Erretterin, die 16-jährige 4) Bhuvaneshvari, Schöpferkraft der Welt 5) Chinnamasta, Göttin des Werdens und Vergehens 6) Bhairavi, Göttin des Verfalles (des Irdischen) 7) Dhumawati, die göttliche Witwe 8) Bagalamukhi, Bezwingerin böser Zauberkräfte (Zaubersprüche) 9) Matangi, die Gottheit, die Verbotenes zum Guten wandelt 10) Kamala, Anfang und Ende der "10 Mächtigen" Kali, Tara, Chinnamasta, Baglamukhi, Matangi, Dhumavati sind "schreckliche" Aspekte, wogegen Bhuvaneshvari, Shodashi, Kamala, and Bhairavi schön, liebevoll und segensreich sind. Schrecklich (Dämonen bekämpfend) oder liebevoll sind die jeweiligen Methoden und Strategien, um eine spirituelle Entwicklung abzusichern und zu fördern. Noch etwas möchte ich zu den Aspekten der Mahadevi, der "Großen Göttin" sagen: Durch unsere anbedländische Tradition geprägt, neigen immer wieder die Yoaaspiranten/innen dazu eine Gottheit als eine in sich abgeschlossene Persönlichkeit zu sehen. Wenn sie Prakriti verehren, dann wollen sie nichts mit Durga oder Kali zu tun haben und sehen jene Gottheiten als Konkurrenz oder fremde Gottheiten ihrer eigenen Gottheit gegenüber an. Deshalb möchte ich noch einmal darauf eingehen, was ein "Aspekt" ist, obwohl das eigentlich klar sein müßte: Wenn wir einen Menschen einmal von vorne, dann von der Seite und mal von hinten sehen, so sind das alles unterschiedliche Betrachtungswinkel. Wir sehen jedesmal ein anderes Bild vom Menschen - das entspricht ungefähr den Aspekten. Aber jedesmal ist es der gesamte Mensch, den wir letztendlich sehen, unteilbar und in sich geschlossen. Ebenso ist es mit den verschiedenen Aspekten der Mahadevi. Vielleicht findet eine Yogini aus dem einen oder anderen Grund leichter Zugang zu dem Erscheinungsbild einer Tara, Kali oder Durga. Wenn die Yogini jedoch von Bewußtseinsebene zu Bewußtseinsebene höher aufsteigt, wird sie immer letztendlich in ihrer Göttin die All-Mutter, All-Göttin antreffen, von ihr erfüllt werden und mit ihrem All-Bewußtsein verschmelzen.
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Kali Kali ist die Göttin der Nacht, die Himmelsgöttin. Sie gilt als Schöpferin der Welten und als Shakti (schöpferische Kraft) von Shiva, der als das Bewußtsein zwar hinter allem steht, jedoch nicht in Erscheinung tritt. Dadurch gilt Kali, nach den Tantras als die mächtige Herrscherin über die Schöpfung. Das ist sozusagen ihre gegenwärtige Essenz. Indien war immer ein Vielvölkerstaat mit ursprünglich vielen bodenständigen Göttern. Diese unterschiedlichen Götter/innen sind mit der Zeit ineinander verschmolzen zu landesweiten Großgottheiten. Dies ist auch der Grund, weshalb sich in Kali so viele unterschiedliche Aspekte finden. Jene Göttinnen, die nicht direkt in Kali als Eigenschaft integriert werden konnten, behielten eine gewisse Eigenständigkeit als eine spezielle Manifestation von Kali, wie es z.B. die 10 Mahavidyas darstellen. Nach anderer Auslegung sind die 10 Mahavidyas diverse Aspekte von Durga, wobei Durga als All-Göttin gilt. Hierbei ist Kali der Aspekt der Zeit (die Zeit-Shakti von Shiva, in weiterer Differenzierung eine der 9 Zeit-Shaktis von Shiva). Über Kali findet sich im Index (Indien) ein eigener Artikel
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![]() Tara Das Kennzeichen von Tara ist aufopfernde, hingebende Liebe. Sie ist es, die sich in hohem Maße um die Yogis/Yoginis kümmert und diese fördert. Viele erhalten von ihr die kosmische All-Liebe übertragen. Als Vermittlerin der All-Liebe nennt man sie in Tibet "Mutter aller Buddhas". Tara ist im tibetischen Buddhismus eine der Hauptgottheiten. Es gibt indische Textstellen (Achar-Tantra), denen zufolge Tara aus China (Kuan Yin) stammt und über Tibet und Ladakh nach Indien kam. Die hier im Bild dargestellte Form ist eine tibetische Statue der weißen Tara. Ich habe deshalb eine goldene Statue bevorzugt, weil bei den Yogis/Yoginis aus meinem Bekanntenkreis auf eine goldene Tara meditiert wird. Eine goldene Darstellungsform ist sowohl in Indien als auch in Tibet unüblich. Die mir bekannten Yogis/Yoginis üben deshalb auf eine goldene Tara, weil diese ihr Medetationszentrum im Herzzentrum hat und dieses von goldener Farbe ist. Die bei medialen Menschen im Bauch lokalisierte Fluidalenergie (Ektoplasma ist eine typische Erscheinungsform jener Energie), wird durch die Hilfe von Tara ins Anahata Chakra (Herzzentrum) gehoben und hier in Wechselwirkung mit Kopfchakren (Somachakra) in Amrita umgewandelt (Amrita oder Soma, wird auch als Götternektar beschrieben und ist im Prinzip eine veredelte Fluidalenergie). Über Tara finden sich im Index (Tibet) zwei Artikel (weiße und grüne Tara).
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Shodashi Das Sanskritwort Sodashi (Shodashi) bedeutet Ganzheit, Reinheit und Ausstrahlung. Im Verhalten bedeutet dies Güte, Ehrlichkeit und Anteilnahme. Diese Eigenschaften bilden die Basis für jeden spirituellen Fortschritt.
Tripura Sundari - Tripura heißt "Drei Burgen" und ist auch ein Beiname von Durga und von Shiva. Sundari = "Schöne Frau" Tripura deutet auf zweierlei hin: die drei Städte der Dämonen, die bezwungen wurden und in der Mystik bezieht es sich auf die drei "Städte" Sonne, Mond und Feuer (Tripura Sundari = Die Schöne von Sonne, Mond und Feuer). Bala Bala hat viele Bedeutungen: jung, rein und ist auch ein Beiname der Sonne. Bisweilen auch eine Bezeichnung für das Stirnchakra. Lalita bedeutet "die, welche spielt" Das Mantra von Sodashi besteht aus 16 Buchstaben. Nach dem Jnanarnava Tantra, Kapitel 13 besteht das Mantra aus 4 Teilen, welche den Zuständen des Wachen, Träumen, Tiefschlaf und Erleuchtungszustand (Turiya) besteht. Sodhashi wird als die Goldene Sonne Shivas (das was Erleuchtung bringt) betrachtet. Deshalb strahlt sie goldenes Licht aus (turiya Zustand) und sieht man in den Darstellungen Shiva zu ihren Füßen liegen. |
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Bhuvaneshvari Bhuvaneshvari:
Nach der Überlieferung gab es zu Urbeginn nur die Sonne aus der dann die drei Welten entstanden. Das goldene spirituelle Licht (symb. Sonne) wird als das Licht der höchsten formlosen Ebenen verstanden. Aus diesem Licht entstanden durch Verdichtung die tieferen Ebenen bis hinab zur materiellen Welt. Bhuvaneshvari wird als die lebendig-göttliche Erscheinungsform jenes Lichtes verstanden. Da alles aus dem Bewußtsein (= Shiva) entstanden ist, ist der tantrischen Lehre gemäß alles von Bewußtsein durchseelt und somit alles lebendig. Somit kann jenes goldene Licht auch Gestalt annehmen und dem Menschen als Göttin (hier Bhuvaneshvari) erscheinen. Je tiefer die Manifestationen (Ebenen, Verdichtungen) sind, desto mehr verfällt jenes Bewußtsein in Erstarrung und Schlaf. Der Mythologie nach ist Bhuvaneshvari derart schön, dass Shiva, nur um sie noch besser sehen zu können, sich ein drittes Auge zulegte. In der Ausdeutung jener Erzählung kann Bhuvaneshvari, jene höchste Ebene, nur mit dem dritten Auge, dem Stirnauge, erschaut werden. |
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Chinnamasta Chinna bedeutet "abschlagen" Masta bedeutet "Kopf" = Die Göttin, welche ihren eigenen Kopf abschlägt. Eine weitere Schreibweise ist Chhinnamasta. Nach einer der Auslegungen trennt Chinnamasta mit ihrem Kopf die Anhaftung an die 5 Sinne ab. Sie steht für die innere Leere des Geistes, der Meisterschaft über die Sinne, um solcherart die inneren Sinne und den (magischen) Willen zur Entfaltung zu bringen.
Eine andere Interpretation ist folgende:
Symbolisch wird der Kreislauf von Leben und Tod so darggestellt: Chinnamasta schlägt sich den Kopf ab = Tod. Indem sie ihr eigenes Blut trinkt (Blut ist ein Symbol für Leben) erweckt sie sich wieder zum Leben.
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Bhairavi Eine weitere Benennung ist Tripura Bhairavi Bhairavi in "lieblicher" Darstellung:
Bhairavi in "schrecklicher" Darstellung:
Bhairavi entspricht dem weißen Licht im Maha-Yoga (astralen Yoga). Das weiße Licht kann sich unterschiedlich auswirken. Ein wesentliches Kennzeichen des weißen Lichtes ist innere Stille und enorme Willensmacht. Dieses Licht muß durch Gefühlstiefe (goldenes Licht) ausbalanziert werden. Wenn dies nicht der Fall ist, wird der Yogi "kalt", ein willensstarkes Machtwesen, dem alle Sphären, bis zu den höchsten Sphären offen stehen. Das Kennzeichen solcher Wesen ist, dass sie weder gut noch böse sind und über alles in ihrem Einflußbereich herrschen wollen. Es sind die sogenannten "Weißlichtigen". Da unsere Zivilisation kopflastig ist und Gefühle unterdrückt werden, tendieren die meisten Yogaaspiranten zur Weißlichtigkeit. Sie werden dazu auch ermuntert, weil das Üben auf Kopfzentren schnelle Resultate liefert (Hellsichtigkeit). Es ist dies jedoch eine große Versuchung, die in einer Sackgasse der Egozentrik mündet. Ein kosmisches Bewußtsein ist den Weißlichtigen fremd, ihre eigene Persönlichkeit steht immer in deren Mittelpunkt. In der "schrecklichen" Erscheinungsform zeigt Bhairavi einen Ausweg aus dem obigen Dilemma: es sind Verfall und Not, die einen Willensmenschen aus dem euphorischen Zustand der Macht befreien können. Schmerz und Mißerfolg sind die einzigen Mittel, die einen Yogi aus diesem durchaus hohen, machterfüllenden Zustand zur Anteilnahme an anderen Wesen, zu Liebe und kosmischer Verbundenheit zurückführen können. Nach üblicher Tradition wird Bhairavi dem Muladhara zugeordnet und durch die Opfer der 5 "M" verehrt -
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Dhumawati Dhumawati ist häßlich, unbeständig und leicht verärgert. Sie ist groß und trägt schmutzige Kleider, die sie einer Leiche auf einer Verbrennungsstätte genommen hat. Ihre Brüste hängen hinunter. Sie hat eine lange Nase und ist Witwe. Sie sitzt in einer Kutsche mit dem Emblem einer Krähe. Sie hat erschreckende Augen und ihre Hände zittern. Sie fängt gerne Streit an und ist von erschreckender Erscheinung. Dhumawati ist die Erscheinung totaler irdischer Verhaftung und der daraus resultierenden Unzufriedenheit und des durch das Irdische bedingte Alterns und Verfalles. Der Sage nach war sie die Gemahlin von Shiva und einst hungrig bat sie ihn um Nahrung. Als er ihr diese verweigerte, aß sie ihn auf und wurde dadurch Witwe. In der Auslegung heißt dies, dass ihr unstillbarer Durst und Hunger, das Symbol des unstillbaren Lebenshungers (Lebensurst) sind, welcher nur durch das Allbewußtsein von Shiva gestillt werden kann. |
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Bagalamukhi Einst gab es einen Dämon, der hatte die Macht, dass jedes seiner Worte von absoluter mantrischer (Mantra = in etwa Zauberwort) Kraft war. Dadurch vernichtete er jedes Wesen, das in seine Mißgunst file. Aus Angst vor ihm und seiner Mantrakraft, huldigten ihm sogar die Götter. Bagalamukhti besiegte ihn, indem sie ihm die Zunge abschlug. Die Zunge symbolisiert das Organ der Sprache. Bagalamukhi ist die Herrscherin über Sprache, Intellekt (Wissen) und Tat (sind auch die Grundkräfte eines Mantras). Nur dadurch, dass wir diese Grundkräfte beherrschen lernen und zum inneren Schweigen gelangen, können sich uns die Pforten zu tieferen Seinsebenen öffnen.
Bagalamukhi |
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Matangi Matang ist ein Beiname von Shiva. Matnagi, die weibliche Form ist seine Shakti.
Matangi ist von schwarzer Farbe und hat drei Augen. Auf ihrem Kopf trägt sie einen Mond. Sie ist die Gottheit der inneren Reinigung. In der Mythologie wandelt sie übrig gebliebene Speise in Prasad (Opfergabe). Sie reinigt die Yogis/Yoginis, indem sie deren letzte Egoismen in Hingabe wandelt, so wie sie verdorbenes Essen zu Opferspeise werden läßt. Einige letzte Unreinheiten, welche für viele Yogis/Yoginis im Westen ein Hindernis sind und diese stagnieren läßt, sind:
Spiritueller Tourismus zu berühmten Yoga Kapazitäten Ehrgeiz und Erfolgstreben im Yoga Neid und Mißgunst bezüglich spiritueller Erfolge anderer sich besser und entwickelter als andere zu fühlen hohe Zustände anstreben, statt das Göttliche im Kleinen zu ehren |
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Kamala Kamala ist der Anfang und das Ende der rituellen Anrufungen jener 10 Manifestationen von Kali. Sie ist jene Liebe und Religiosität (Sehnsucht), die den Zugang zur höchsten Gottheit (Shiva, Vishnu) erschließt. Ohne ihre Kraft der Hingabe ist keine Selbstverwirklichung möglich. |