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Kopfgeburt im Schamanismus

copyright @ Alfred Ballabene, Wien

 

 

Die Kopfgeburt in Felszeichnungen
 

Es gab im Schamanismus und in den Altreligionen verschiedene Darstellungen einer Sprossgeburt: 

Die Rippengeburt

Alten Auffassungen zufolge, die sich von Europa bis zu den Ainus im Norden Japans finden, erfolgte eine Wiederauferstehung erlegter Tiere und auch die des Menschen aus seinen Knochen, dem unverweslichen "ewigen" Teil. Darauf beruht auch das heute noch gültige Gesetz im Judentum, daß jüdische Friedhöfe nicht umgebrochen und für profane Zwecke verwendet werden dürfen. Auch hielt sich im Christentum bis in das Mittelalter hinein der Glaube, daß die Auferstehung über das "Auferstehungsknöchelchen" erfolgt. Es handelt sich hierbei um einen Halswirbel mit der Form des Ankh Zeichens. Zum Glauben der Wiedergeburt aus den Knochen gehört auch die Wiedergeburt mittels Magie. In der Guta Sage aus Gotland wird berichtet:

"Gott Thor kam einst zu einem armen Bauern in Gotland, der nichts hatte, was er ihm aufwarten konnte, um seiner Gastfreundschaft Genüge zu tun. Thor tröstete ihn und versprach seine Ziegenböcke für das Mahl zu schlachten, die er am Morgen auf schamanistische Weise wieder erwecken wolle. Er knüpfte nur die Bedingung daran, daß Knochen und Haut unangetastet bleiben sollten. Thjalvi, der Sohn des Bauern aber, wollte das Mark eines Oberschenkelknochen verzehren und brach heimlich einen Knochen auf. Thor regenerierte am Morgen seine Böcke, mußte aber sogleich erkennen, daß ein Bock lahmte und als Strafe verpflichtete er Thjalvi lebenslang sein Diener zu bleiben."
Aus: Jahrbuch X der Ge.Fe.Bi. Graz, 1997/98, "Indische Felsbilder", Seite 61

Die Kopfgeburt

"Außer der Rippengeburt aus der Seite eines Menschen gab es noch die Kopfgeburt, die mehr auf eine geistige Vaterschaft, als eine leibliche verweist. Die griechische Athene, durch einen Beilhieb aus dem Kopfe des Zeus entstiegen, ist ein solcher Mythos.

Eine 5000 Jahre alte Kupferfigur aus Mesopotamien (n. Paturi) zeigt uns, wie aus dem Kopfe das Kind erwächst, ebenso ein Felsbild aus Karelien und eine Eskimomaske aus Alaska, wie Bronzefiguren aus Sardinien und den Kykladen. Die letzten zwei Beispiele stammen aus der Heiligen Urschrift von Hermann Wirth aus dem Band IX u. X, S. 305, des Jahrbuches der Ge.Fe.Bi., Graz, unter der Überschrift: "Minne und Mensch". Gott schafft durch Denken die Spaltung des Hauptes Gottes, ein Satz, der uns wenig verständlich erscheint, hätten wir nicht andere Beispiele vorher gefunden."
Aus: Jahrbuch X der Ge.Fe.Bi. Graz, 1997/98, "Indische Felsbilder", Seite 62
 


 
 

Geburt aus dem Kopfe: 5.000 Jahre alte Kupferfigur aus Mesopotamien (n. Paturi)
Aus: Jahrbuch X der Ge.Fe.Bi. Graz, 1997/98, "Indische Felsbilder", Seite 62
 



 
 

Felsbilder vom oberen Jennissej
(n. Ksica: Felsbilder z. Schw.Meer u. Beringstr. S.156)
Aus: Jahrbuch X der Ge.Fe.Bi. Graz, 1997/98, "Indische Felsbilder", Seite 62
 



 
 

Eskimomaske aus Alaska
n. Herman Wirth: Die Heilige Urschrift,
Aus: Jahrbuch Bd. IX, X der Ge.Fe.Bi. Graz, Seite 305
 



 
 

Bronzefiguren aus Sardinien u. den Kykladen
n. Herman Wirth, wie oben Bd. IX, X; Ge_Fe-Bi
Aus: Jahrbuch X der Ge.Fe.Bi. Graz, 1997/98, "Indische Felsbilder", Seite 62


 



 

Die Kopfgeburt: Interpretation nach dem Pho Wa
 
 

Der Seelenvogel verläßt eine Sterbende
Kephalos tötet versehentlich sein Weib Prokris
griech. Vasenbild
Aus: Bruno P. Schliephacke, "Bildersprache der Seele
Telos Verl., Berlin, 1970, Seite 69


 



Die Beschäftigung mit indischem, tibetischem und taoistischem Yoga legt mir eine leicht variierte Auffassung zu jener einer "geistigen Vaterschaft" nahe. Zu den größten Geheimlehren obiger Yogatraditionen gehört der Pho-Wa (bisweilen Pho-Ba). In den Übungen des Pho-Wa ist es die Aufgabe,  durch meditative und vorallem mantrische Praktiken ein Loch im Schädeldach zu erzeugen. Dieses Loch ist nicht symbolisch gemeint, sondern soll sich physisch manifestieren (Test: "glückverheißende Strohhalm"). Beim durchschnittlichen Menschen ist das Schädeldach geschlossen und die Seele ist nach Auffassung dieser Yogis dadurch im Körper gefangen. Der Yogi versteht es durch diese geheimen Praktiken das Schädeldach zu öffnen, so daß er dadurch fähig ist mit seinem Lichtkörper (= durch Lichtkreisen entwickelter unsterblicher Götterkörper), sich in den Götterhimmel zu erheben. 

In Europa fanden wir noch die längste Zeit die Vorstellung vom "Seele aushauchen", wobei die Seele durch eine andere Körperöffnung, nämlich den Mund, den Körper verläßt. Im Schamanismus gibt es noch die Varianten, wonach die Seele gewöhnlicher Menschen durch die Ohrlöcher den Körper verläßt (siehe diverse Heilungsrituale). 

Genaue Ausführungen über taoistische Meditationen zur Ausbildung eines unsterblichen Lichtkörpers finden sich in dieser Homepage unter:
Taoistischer Yoga - Die Bildung eines Lichtkörpers
 


 
 

Der Lichkörper tritt aus der Schädeldecke und fungiert als neuer Träger des Bewußtseins.
(Bild aus: "Geheimnis der Goldenen Blüte", von Richard Wilhelm; Zürich, Rascher Verl., 1957)


 



 
 

In zahlreichen Erlebnisberichten von Außerkörperlichen Erfahrungen (AKE, OBE) wird von einem Verlassen des Körpers über das Schädeldach berichtet:
 

 
 

Abb. aus E.R. Waelti, "Der dritte Kreis des Wissens, Seite 35, Ansata Verl. 1983


 

  "....Wie aus einem Schlafsack schlüpfte ich liegend aus meinem physischen Körper. Am Kopf ausgetreten, setzte ich mich in meinem astralen Körper auf, rückte nach hinten und zog meine feinstofflichen Beine, die immer noch in meinem physischen Leib steckten, aus einer schwarzen, faustgroßen Öffnung wie aus einer Röhre, wobei sich die Beine dehnen ließen, als wären sie aus Gummi....." 

Siehe auch: "Der Königsweg, aber die Nacht zeigt viele Gesichter", von E.R. Waelti