|
"Mythologie zu kennen, heißt bewußt in der Gegenwart zu leben. Sie ist eine unerläßliche Voraussetzung für das Verständnis von Kultur und Geschichte." (1) Der Vampirismus ist ein gutes Beispiel wie sehr sich unser mythologisches Erbe auch auf unsere Zeit auswirkt, auch wenn sich seine Form und Ausprägung dabei genauso ständig verändern wie unsere Sprache und Kultur. Ein kleines Beispiel:
Wie sehr wir alle diesen Einfluß auf die Kultszene, Literatur und Filmindustrie vermissen würden, mag jeder für sich selbst entscheiden. Unter einem Vampir versteht man im Allgemeinen eine in dem slawischen Volks- und Geisterglauben verbreitete Erscheinung eines Toten, der im Grab keine Ruhe findet und als Wiedergänger nachts die Lebenden in Mensch oder Tiergestalt plagt, das Blut aussaugt und sie tötet. Das Wort selbst ist dagegen nicht so leicht erklärt. Entlehnt aus dem serbo- kroatischen vàmpir, d.h. ursprünglich wahrscheinlich makedonisch oder bulgarisch, bzw. urslav. (vgl. hierzu (3) und (4)). Die Schwierigkeit den genaueren Ursprung auszumachen ergibt aus der Tatsache, daß die heidnischen Slawen die Schriftsprache nicht kannten, so daß keine authentischen Quellen Auskunft über ihre Mythologie geben. Soweit dennoch etwas darüber aufgezeichnet wurde, stammt dies von christlichen Autoren, die dem Heidentum nicht unvoreingenommen gegenüberstanden. (vgl. hierzu (5)). Fazit: "Eine eindeutige etymologische Herkunft des Wortes Vampir gibt es nicht." (6) Interessanter dagegen ist die Figur der Vampire selbst, denn viele Wesensarten der Vampire gleichen denen der Lamien, Lemuren, Empusen und Stiges, also den Spuk-, Fabel- und Rachegestalten der griechischen und römischen Antike. "Die Lamien gelten als die Vorläufer der Vampire" (7), demzufolge entsprechen auch viele Abwehrmaßnahmen gegen Lamien und Stiges denen gegen Vampire.
Darüberhinaus scheint man bei fast allen Völkern, Götter-, oder Spukgestalten zu finden, die vampiristische Wesenszüge aufweisen (vgl. hierzu (9)). Allerdings entsprach die Erscheinung des Vampirs selbst in vielen slawischen Volksgruppen keinem einheitlichen Bild (vgl. hierzu (10)). In den Balkanländern gibt es z.B. viele Überschneidungen zwischen Werwolf und Vampir. Vampire werden dort "vukolaken" (serbisch= Wolfspelz) oder "brukolaken" (griechisch= Wolfspelz) (vgl. hierzu (11)) genannt. Die Geburtsstunde der modernen Vampirlegende läßt sich im Vergleich zu ihrer dunklen Vorgeschichte dagegen ziemlich genau in das Jahr 1725 bzw. 1732 datieren. Damals gelangte das Wort Vampir über Zeitungsberichte nach Österreich und Deutschland, wo 1732 eine rege Debatte unter den aufgeklärten Gelehrten entbrannte, die sich über Europa ausbreitete und diese moderne Legende nach Serbien zurückimportierte (vgl. hierzu (12)).
(2) u. (4) u. (12) Kluge F., Seite 852 s. Litverz. (5) Gottschalk H., Seite 437 s. Litverz. (6) Sturm D. und Völker K., Seite 506 s. Litverz. (7) dies. Seite 507 s. Litverz. (8) dies. Seite 525 s. Litverz. (9) dies. Seite 508 ff. s. Litverz. (3) u. (10) Gottschalk H., Seite 461 s. Litverz. (11) Sturm D. und Völker K., Seite 511 s. Litverz. |